18. November 2009 - Ehrung langjähriger GEW Mitglieder

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17. November 2009 - Zugpferde bäumen sich auf

Zugpfer

Die GEW Kreisverbände Gießen Stadt und Land fuhren mit über 200 Kolleginnen und Kollegen nach Wiesbaden

Die demonstrative Arbeitsniederlegung der Kolleginnen und Kollegen am 17. November 2009 und die große Demonstration in Wiesbaden waren ein voller Erfolg. Die Lehrkräfte haben deutlich gemacht, dass sie nicht bereit sind, eine Haushaltssanierung auf ihrem Rücken hinzunehmen. Die Arbeitszeitreduzierung im Tarifvertrag der Angestelletn muss auch auf die Beamten übertragen werden! Die Verweigerung der Fortführung der Altersteilzeitregelung für die Lehrkräfte durch die Landesregierung gilt es ebenfalls zu bekämpfen. Deshalb kann der 17. 11. 2009 nicht das Ende der GEW Aktionen sein, sondern ein Auftakt.

18. November 2009 - Gießener Anzeiger

"Arbeitsbelastung der Lehrer  so hoch wie vor 1914"

Der Gießener Anzeiger berichtet über unsere Aktion.

Ehrungen2009

18. November 2009 - Ehrung langjähriger Mitglieder des Kreisverbandes

Auch in diesem Jahr veranstaltete der Kreisverband Gießen-Stadt der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wieder eine Jubiläumsfeier zu Ehren der langjährigen Mitglieder. Die Veranstaltung fand am 18. 11. 2009 im Rahmen eines herbstlichen Nachmittagskaffees im Hotel Köhler in Gießen statt. Die GEW - Vorsitzenden Susanne Arends und Brigitte Koch nahmen die Ehrungen vor und überreichten Buchgeschenke.

25-jährige Mitgliedschaft (13): Eva Bender-Gilchrist, Ingeborg Netzler, Cemal Özgeday, Ulrike Pischel-Bremer, Günther Pohl, Dr. Jörg Schudy, Christiane Schulz, Stephan Schulze-Steikow, Peter Seib, Dagmar Tenten, Volker Thies, Wiltrud Thies, Elke Weitz-Mandler

30-jährige Mitgliedschaft (23): Arnold Bender, Marie-Luise Bube, Ulrike Döring-Epe, Astrid Eibelshäuser, Wolfgang Engel, Hans-Peter Genee, Rainer Gläsel, Egon Jordan Manfred Kielas, Barbara Kuranel, Klaus Läffert, Hans-Joachim Lerch, Maria Therese Müller, Annemarie Musterle, Mathias Reisenauer, Karl-Heinz Rinck, Hans-Peter Rolke, Rüdiger Schmid-Pfähler, Sabine Soltau, Carmen Stabel-Schläfer, Werner Urzynicok, Gert Walter, Christiane Zänger-Weimann

35-jährige Mitgliedschaft (16): Gisela Agel, Dr. Hans-Jürgen Berg, Hans-Jürgen Bredtmann, Rainer Fettig-Dietrich, Joachim Grußdorf, Norbert Hartmann, Detmar Hönle, Sieglinde Jung-Keil, Christiane Kries, Dr. Reinhardt Kwetkus, Manfred Lange, Klaus Mengler, Manfred Mutz, Ulrike Sarges-Jäger, Heinz Schneider, Dr. Rolf Zimmermann

40-jährige Mitgliedschaft (8): Walter Appenheimer, Peter Bourcade, Dr. Manfred Dörr, Dr. Klaus Fritzsche, Sigrid Reining, Sigrid Rosenau, Annnegret Schmidt, Edeltraut Schneider

45 Jahre in der GEW und davon 44 Jahre als Kreisrechnerin: Margit Rauch

Margit

September 2009 - Arbeitszimmer für Lehrer/innen (fast) wieder absetzbar

In einem Eilverfahren hat der Bundesfinanzhof die Absetzbarkeit des Arbeitszimmers für Lehrer/innen befürwortet. Das Arbeitszimmer kann also bei der Steuererklärung wieder abgesetzt werden. Auf eine endgültige Entscheidung durch das Bundesverfassungsgericht wird man noch einige Zeit warten müssen.

September 2009 - Resolution des Gesamtpersonlrates der Lehrerinnen und Lehrer

Der Gesamtpersonalrat beim Staatlichen Schulamt GI/VB verabschiedete einstimmig eine Resolution zur Weigerung der Landesregierung, die Arbeitszeit für Lehrerinnen und Lehrer entsprechend dem Tarifvertrag zu reduzieren.

16. Februar 2009 Fr-online - Auf der Überholspur

Wir leben in einer beschleunigten Gesellschaft und im Zeitstress. Davon betroffen sind aber vor allem das Bildungssystem und die junge Generation. In den letzten Jahren ist deren gesamte Lern- und Bildungszeit zu einer Test- und Konkurrenzzeit geworden.

Landkreise wollen Zuständigkeit für Lehrer übernehmen

Bislang sind die Kommunen für Bau und Unterhalt der Schulen zuständig, während das Land die Lehrer zuteilt und den Unterricht organisiert. Nach Auffassung des Landkreistags ist diese Aufsplittung nicht mehr effizient.

30.04. 2008 Presserklärung des Landkreistages

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24. 04. 2008 Öffentliche Erklärung der Jahreshauptversammlung der GEW

Konsequenzen aus den Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen in Gießen

Die Zahl der Anmeldungen an den weiterführenden Schulen in Gießen geht zum kommenden Schuljahr teilweise deutlich zurück. Die Anmeldungen an den Gymnasien übersteigen erstmals nicht mehr die Aufnahmemöglichkeiten. Ursache ist neben dem demographischen Wandel auch die Ablehnung der verkürzten Gymnasialzeit G8 durch viele Eltern. Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass die Belastungen durch G8 für viele Kinder zu hoch sind. Sitzenbleiberquoten bis zu 25% eines Jahrgangs an Gymnasien sind nicht akzeptabel.

Die GEW-Gießen Stadt fordert in diesem Zusammenhang die Abschaffung der Verkürzung der Gymnasialzeit um ein Jahr in der Mittelstufe.

Die in der öffentlichen Diskussion erhobene Forderung nach der Wahlfreiheit der Schulen bzgl. eines G8 oder G9 Angebotes stellt keine Lösung dar, denn mit einer deutlichen Entrümpelung der Lehrpläne ist nicht zu rechnen. Es geht darum, Schüler und Lehrkräfte von der Belastung durch G8 zu befreien. Wie in den vergangenen Jahren kommt die überwiegende Mehrheit der Schüler an den Gymnasien aus dem Landkreis. Aus Gießen haben sich nur 24% an der Herderschule, 30% am LLG und 50% an der Liebigschule angemeldet. Daraus ergibt sich, dass für alle Gymnasiasten der Stadt Gießen sogar ein Gymnasium ausreichen würde.

Die GEW-Gießen fordert daher, ein oder zwei Gymnasien der Stadt Gießen in die Trägerschaft des Landkreises zu geben.


Die Gastschulbeiträge decken nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten. Es ist nicht einzusehen, dass Gießen dem Landkreis die Gymnasiasten finanziert und Gießener Schulen mit einem mehrheitlichen Anteil an Gießener Kindern bei Bau, Erhaltung und Ausstattung ihrer Schulen zurückstehen müssen.

Der Hauptschulbereich wird immer weniger nachgefragt. Eine Förderstufenklasse an der Pestalozzischule im nächsten Schuljahr bedeutet eine Bestandsgefährdung für ihren Haupt- und Realschulbereich. An den Kooperativen Gesamtschulen sind die zurückgehenden Schülerzahlen eine Gefährdung der Gymnasialzweige und damit auch eine Bedrohung dieser Schulform.


Die GEW-Gießen fordert eine Bestandsgarantie für eine stadtteilnahe Beschulung der Kinder. Weitere Schulschließungen darf es in Gießen nicht geben!

An der Gesamtschule - Gießen - Ost übersteigen weiterhin die Anmeldungen deutlich die zur Verfügung stehenden Plätze. Dies ist auch ein klarer Ausdruck dafür, dass sehr viele Eltern und ihre Kinder den neunjährigen Weg zum Abitur wünschen.

Die GEW Gießen fordert eine weitere Integrierte Gesamtschule in Gießen, die seit Jahren überfällig ist.

März 2008 - Wolfgang Stiebritz und Otto Rösser: Analyse des Wahlergebnisses der Landtagswahl

Im neu erschienen Infobrief Nr. 17 der Landesfachgruppe Erwachsenenbildung der GEW-Hessen liefern Wolfgang Stiebritz und Otto Rösser einer Analyse des Wahlergebnisses, die durch die letzten Ereignisse ihre Bestätigung findet:

Ein ruhiges Land – Hessen nach der Landtagswahl

Ein ruhiges Land – so heißt der Titel eines Aufsatzes, mit dem Thomas Neumann 1984 sein leider sehr kurzlebiges Zeitschriften-Projekt „Düsseldorfer Debatte“ eröffnete. Er entfachte damit die Wut jener „Orthodoxen“, die nichts besser konnten, als die „unaufhörliche“ Verschärfung und Zuspitzung der „Widersprüche“ als Essenz eines Geschichtsglaubens zu beschwören, der ihrer Anhängerschaft suggerieren sollte, sie schwimme mit dem Strom. Neumann sah in der Kontinuität der bundesrepublikanischen Geschichte einen „Mechanismus“, „die Gesellschaft so flexibel zu halten, dass auch große Konflikte produktiv verarbeitet werden können.“ Er, der ein guter Kenner der deutschen Bourgeoisie war, glaubte, dass dieser Mechanismus analysiert und allgemein bekannt sei. Er sah ihn in der damals modischen Losung von der „Solidarität der Demokraten“ zusammengefasst; Lothar Baier sprach 2002 in einem Nachruf auf Thomas Neumann von „Ultrastabilität“. Dieser Begriff hat den Vorzug, an dem „Mechanismus“, an dem Neumann nur seine Flexibilität hervorhob, das Moment der Starrheit deutlich werden zu lassen.

Diese Starrheit zeigt sich bis heute u.a. an der Borniertheit und Hysterie von Politikern und Journalisten, die bei einer Minderheitsregierung auch dann noch vermeintlich „italienische Zustände“ wittern, wenn es eine dänische ist, die in einer schwachen Regierung keine Chance für eine starke Zivilgesellschaft, sondern den Untergang des Abendlandes sehen und die von einer linken sozialdemokratischen Partei die Wiederauferstehung des Bolschewismus befürchten.

Ein ruhiges Land?

Was sonst. Schon der Enthusiasmus der Jusos, die am späten Wahlabend ihr „Koch ist weg“ in die Fernsehkameras riefen, hatte groteske Züge. Denn die Bedingung der Möglichkeit, Koch als hessischen Ministerpräsidenten abzulösen, gab und gibt es nur deshalb, weil Frau Ypsilantis SPD eines ihrer Wahlziele verfehlt hatte. Hätten sich nur einige Wählerinnen und Wähler mehr vom linken Programm der SPD davon abhalten lassen, „die Linke“ zu wählen, hätte man schon am Wahlabend kein Wort mehr über eine Ministerpräsidentin Ypsilanti zu verlieren brauchen: Wir hätten ab dem 5. April eine schwarz-gelbe Koalition unter Führung von Roland Koch. Obwohl diese Variante entfällt, gibt es noch genügend andere, um zu verhindern, dass aus einem Regierungswechsel ein Politikwechsel wird.

Die Kabalen und Hiebe (über und unter die Gürtellinie),die die Regierungsbildungs- und -verhinderungsversuche seit dem 27. Januar kennzeichnen, haben einiges sichtbar gemacht, u.a. dass es im hessischen Landtag einstweilen nicht nur zwei, sondern im Zweifelsfall eher drei sozialdemokratische Parteien gibt, davon zwei unter dem Dach „SPD“: einmal die, nennen wir sie personalisierend, Ypsilanti- SPD, die für eine Ampel-Koalition einen Großteil ihrer Wahlversprechungen opfern müsste (und würde) und damit zeigen müsste (und würde), wie diese Versprechungen gemeint waren, und einmal die Walter-SPD, die für den Fall, dass die Ypsilanti-SPD eben diese Versprechungen mit Hilfe der Linken zu realisieren versuchte, schon einmal vorsorglich das Menetekel Heide Simonis an die Wand malt.
Das Phänomen ist nicht ganz neu. Früher nannte man diese Leute „Kanalarbeiter“. Zu ihnen gehörten sozialdemokratische Prachtkerle wie Hermann Schmitt-Vockenhausen. Heute kommen diese Leute eher aus dem Milieu der Sparkassenfilialleiter und sehen aus, wie eben Jürgen Walter aussieht, der in Hanoi (Vietnam) der deutschen Presse einen Kommentar zu Kurt Becks neuestem „Vorstoß“ mit der Bemerkung verweigerte: „Ich will nicht in Fäkalsprache abgleiten“ (FAZ vom 1. März 2008) und damit nur zum Ausdruck brachte, dass er eben genau in dieser Sprache darüber denkt.

Eine absurde Konsequenz dieser Lage hat jetzt Thomas Holl in der FAZ vom 29. Februar ausbuchstabiert: Frau Ypsilanti könnte zur Ministerpräsidentin gewählt werden, bekäme dann aber ihr Kabinett nicht durch den Landtag. „Dann tritt der kuriose und bisher einmalige Fall ein, dass das Land Hessen zwei Ministerpräsidenten hat: die bereits vereidigte und gewählte [in dieser Reihenfolge? die Herausgeber] Ministerpräsidentin Ypsilanti und den geschäftsführenden Ministerpräsidenten Roland Koch, der weiter die Amtsgeschäfte führt.“ So wäre aus dem „Wahlkrimi“ die Schmierenkomödie der Regierungsbildung geworden, beides gewiss unterhaltsam, beides aber auch von einem gewissen Wahrheitsgehalt, denn die ästhetischen Kategorien, denen hier politische Vorgänge subsumiert werden, verdeutlichen, dass die Staatsbürger seit dem 27. 01., 18.00 Uhr, nur noch als Beobachter vorgesehen sind, nicht als eingreifende politische Subjekte. Sollten sich die hessischen Wählerinnen und Wähler in den nächsten Wochen in dieser ihnen zugedachten Rolle einrichten, würde damit in der Tat der problematischste Aspekt dieser Hessenwahl offenkundig werden.
Über den Ausgang eines Filmes, auf dessen Drehbuch man keinen Einfluss nimmt, kann man nur spekulieren.

Wozu noch CDU?


Da Sie Spekulationen wie die angedeuteten zur Genüge in den Medien konsumieren können, gehen wir hier lieber noch einmal zurück auf Start. Wer doppelt sieht, geht am besten zum Augenarzt (oder konsultiert, wie Thomas Holl, den Verfassungskommentar). Was macht man, wenn man dreifach sieht? Wer eine Vorliebe für traditionell zuständige Intellektuelle hat, geht zum Pfarrer; besser aber wäre, er hält sich an den modern zuständigen Lebensberater, z.B. den benachbarten Politikprofessor.

Der im Norden heißt Franz Walter (nicht zu verwechseln mit dem anstelligen Jürgen Walter), ist Professor in Göttingen und hat in der FAZ vom 26. Februar unter dem Titel „Wozu noch CDU?“ eine lesenswerte wählersoziologische Untersuchung der zurückliegenden Landtagswahlen vorgelegt.

Beginnen wir mit den Ergebnissen unter dem Aspekt der Alters- und Milieuforschung:

• Die CDU ist unter wählersoziologischem Aspekt das geworden, was sie der Linken unter parteisoziologischem Aspekt zu sein unterstellt: eine Partei der Alten. Eine stabile Zustimmungsrate über 50% erreiche die CDU nur noch in „traditionsverwurzelten Lebenswelten“ der über 60-Jährigen, gefährde diese Zustimmung aber gleichzeitig zunehmend durch den Marktradikalismus ihrer „neuen, jungen Parteielite“, die „bürgerlicher“, sprich hier: reaktionärer „denn je“ sei.
• Diese Führungsgruppe – exemplarisch für sie könnte man Philipp Mißfelder nennen, der seine Karriere in der Erwachsenen-CDU mit dem Statement beschleunigte „Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen“ (s. den Wikipedia-Eintrag über ihn) – erodiere zugleich den „Solidarprotektionismus“ der Partei, was dazu geführt habe, dass „der größte Teil des Subproletariats“, der aus Enttäuschung über die SPD die CDU gewählt habe, die Kohorte der CDU-Wähler wieder verlassen habe, „viele davon schnurstracks zur Linkspartei“. Dies erklärt, freilich nur zu einem Teil, die Wählerwanderung von 19 000 Stimmen von der CDU zur Linken, die immerhin 13% der 140 769 Stimmen für die Linke ausmachen.

Bevor wir auf den in unserem Zusammenhang viel interessanteren Zerfall der CDU-Wählerbasis auf der Seite der Besitzenden und Gebildeten zu sprechen kommen, ergänzen wir zunächst den mit dem ersten Spiegelpunkt angesprochenen Aspekt der Alterzusammensetzung der CDU-Wählerschaft:

• „Die neuen dominanten Kohorten der zwischen 1950 und 1970 Geborenen, die schon die Hälfte der Wählerschaft ausmachen, besitzen mehrheitlich konstant messbare rot-rot-grüne Parteipräferenzen. Ausgerechnet in den berufsaktiven Jahrgängen verfügt die Union über den geringsten Rückhalt.“

Jetzt kommen wir zu den Abstoßungseffekten der „neuen, jungen Parteielite der Union“ gegenüber ihrem eigenen Milieu:

• „In Hessen, Niedersachsen und Hamburg fiel die Distanz zur ‚bürgerlichen’ CDU in keiner anderen Gruppe derart signifikant groß aus, wie bei den Wählern mit Abitur und Hochschulabschluss, vor allem bei solchen weiblichen Geschlechts. Da es sich hier um wesentliche Fermente der Wissensgesellschaft handelt, ist diese Entwicklung für die CDU sehr gefährlich.“
• Auch dieser Befund ist noch einmal neben dem Parameter Geschlecht durch den des Alters determiniert: „Die Mitglieder dieses unzweifelhaft modernen, bürgerlichen Gesellschaftssegments [der jungen „kritischen Bildungselite“, die Herausgeber] sind beruflich mobil, urban und verfügen über das höchste Haushaltseinkommen in Deutschland – für CDU/CSU und FDP eine Diaspora mit jeweils 15 Prozent der Wähler. Die junge besserverdienende, dabei kritische Bildungselite steht mehrheitlich links und oszilliert innerhalb dieses politischen Lagers zwischen SPD, Grünen und Linkspartei.“
• Dieser Effekt soll sogar abgeschwächt im Blick auf die „neue Globalisierungselite“ zutreffen: „In Hessen, in Niedersachsen und in Hamburg waren die Verluste der CDU bei den Selbständigen mit 25 beziehungsweise 11 und 12 Prozentpunkten markant.“ Dabei dürften die besonders dramatischen Einbrüche in Hessen auch mit der rassistischen Wahlkampagne Kochs zu den „kriminellen ausländischen Jugendlichen“ zusammenhängen.

Da hat uns aber der Nachbar Einiges zum Nachdenken gegeben. Das versuchen wir einmal kurz in eine Zwischenbilanz zu transferieren:

1. Um die CDU wird es einsam. Sie braucht dringend neue Freunde. Woher nehmen, wenn nicht stehlen oder erpressen? Die Lage ist ernst. Sie ist aber nicht aussichtslos:
2. Denn: Die politische Orientierung der neuen, weitgehend lohnabhängigen Mittelschichten ist nicht stabil und naturgegeben, sie ist aber auch nicht beliebig. Die Stimmenmehrheit, die die SPD in dieser Gruppe erstmals in den beiden Wahlen 1969 und 1972 errungen hatte, ging bereits 1976 an die CDU zurück. Der Einfluss der SPD in dieser Wählergruppe wurde 1980 und 1983 noch einmal durch die Herausdifferenzierung der Grünen aus dem sozialliberalen Wählerblock der 70er Jahre geschmälert. Im Verlauf der 80er Jahre wurde daraus die Bündnispräferenz „rot-grün“, ohne dass die Grünen unter das Dach der SPD zurückkehrten. Diese Partnerschaft ist mittlerweile einigen Grünen zu eng geworden. Auf der anderen Seite sieht die CDU, dass es für schwarz-gelbe Mehrheiten eng wird (s.o.). Da entdeckt sie auf einmal die „Bürgerlichkeit“ der Grünen, ihre Familienzugehörigkeit, was in den besseren Vierteln durchaus wörtlich zu nehmen ist: Papa in der Union und die Tochter bei den Grünen, er liest FAZ und sie die Kinder-FAZ: die taz. Das Werben der CDU um die Grünen ist insofern nicht nur taktisch motiviert, sondern hat eine soziologisch qualifizierbare Grundlage. Die Stabilität dieser Basis, also ihre Treue und Belastbarkeit selbst bei heftigen politischen Wendungen hat das Führungspersonal der Grünen bereits 1999 mit dem Eintritt in den Jugoslawienkrieg und der Bombardierung Belgrads unter deutscher Beteiligung einer entscheidenden Belastungsprobe unterzogen. Seitdem können alle wissen: Die grüne Basis macht fast alles mit. Dieses „fast“ könnte jedoch den entscheidenden Unterschied zwischen Hamburg und Hessen machen. Während Roland Koch darauf spekuliert, den klaren Kopf Tarek Al-Wazir durch den Appell an die Korrumpierbarkeit einer Partei zu neutralisieren, die immerhin vor kurzem erst einen wie Matthias Berninger auf die Karriereleiter von Künast zu Mars gestellt hat, ahnt der FDP-Fuchs Wolfgang Gerhardt, dass es diesmal ohne Auswechslung des Chefs nicht geht. Immerhin gibt es einen Unterschied bei diesen lustigen Szenarien: Wenn Frau Ypsilantis Ambitionen mittlerweile am heftigsten von Mitgliedern ihrer eigenen Partei gefährdet werden, stimmen alle Parteien mit – bis zum heutigen Tag – Ausnahme der CDU darin überein, dass alle denkbaren Konstellationen nur ohne Roland Koch gehen könnten.
3. Die Linke erreicht zwar bei Arbeitslosen weit überdurchschnittliche Zustimmungswerte (in allen drei Landtagswahlen über 20%), ist aber nicht nur die Partei des „Subproletariats“, der „Unterschichten“ (obwohl es nicht ihr geringstes Verdienst sein dürfte, eine Hinwendung dieser Schichten zu den Neonazis zu verhindern oder zu blockieren). Ebenfalls überdurchschnittlich ist ihr Wählerpotential bei den Arbeitern und bei denen, die Franz Walter „kritische Bildungselite“ nennt. Man kann das an jeder nach Wahlbezirken untergliederten Stimmentabelle jeder beliebigen Großstadt ablesen. Szenarien, die in der Spaltung SPD/Linke eine Wiederauflage der Spaltung SPD/KPD sehen, sind wählersoziologisch unfundiert. Das bei der Linken befürchtete oder gewünschte „Chaotentum“ und ein praktisch folgenloser Radikalismus mögen Begleiterscheinungen des Prozesses ihrer Parteibildung und der Bildung von politischen Führungsgruppen sein, sie haben aber – im Unterschied zur KPD am Ende der Weimarer Republik, als die KP tatsächlich zu der Partei der Arbeitslosen geworden war und sich in einem hilflosen Radikalismus einigelte – keine soziale Grundlage. (Das schließt Dummheiten aus anderen Gründen nicht aus.)

CDU, öffentlicher Dienst und GEW

Zum Abschied gibt man uns noch eine kleine Nettigkeit mit auf den Weg:

• „Beamte galten lange als staatstreu und konservativ und daher als Stammwähler der CDU. In dieser Berufsgruppe musste die hessische Union katastrophale Stimmenverluste hinnehmen. Nur 24 5 Prozent der Beamten gaben der konservativen Regierungspartei ihr Votum. 68 Prozent wählten Parteien links der Mitte.

“ Wie es dazu kommt, verrät uns der freundliche Professor leider nicht. Das macht aber nichts, denn das wissen wir aus unseren eigenen Erfahrungen nicht nur seit 2003. Auch würden wir nicht allein von den Beamten reden, sondern vom öffentlichen Dienst in Hessen:

Privatisierung des Klinikums Mittelhessen, Rotstift bei Polizei, Forstbeamten und Waldarbeitern, Austritt aus der Tarifgemeinschaft des öffentlichen Dienstes, ‚Unterrichtsgarantie plus’, um die Neueinstellung von Lehrerinnen und Lehrer zu vermeiden, verzweifelte Schulsekretärinnen, die man mit unbezahlten Überstunden vor nicht funktionierender Software quälte, Stelleneinsparungen von Richtern, die dann eine große Rolle spielten, um Roland Kochs Kampagne zu den kriminellen Jugendlichen mit ‚Migrationshintergrund’ die Luft herauszulassen.

Das ist, Sie merken es, nur eine Auswahl. Jede, jeder von uns könnte sie mühelos durch Beispiele aus dem Bereich SfE ergänzen: NVS, die vielen Verordnungsänderungen, der Mandantenleiter, der den Schulen langsam den Geldhahn abdreht, das prima vorbereitete und durchgeführte Zentralabitur, die Quako, der freundliche und kollegiale Umgangston des Referats mit den Kolleginnen und Kollegen, die eine oder andere besetzte oder nicht besetzte Schulleiterstelle, neuerdings der Erlass, der eine Regelaufnahme von Bewerberinnen und Bewerbern nur noch einmal im Jahr vorsieht (S.7 ff.) und last but not least: Wann haben sie eigentlich die letzte Gehaltserhöhung bekommen?

Aber, und das dürfte das Entscheidende sein, es geht nicht einfach um die Geschichte des Missvergnügens im öffentlichen Dienst, sondern um die Geschichte des ausgedrückten, des politisch artikulierten Missvergnügens, eine Geschichte des politischen Protests und Widerstands, der großen Demonstrationen in Wiesbaden und der täglichen Auseinandersetzungen in den Lehrerzimmern, Konferenzen und Personalräten. Ohne dieses vielfältige und oft scheinbar völlig vergebliche Aufbegehren wäre das Missvergnügen in Resignation zerfallen und politisch neutralisiert worden. In Hessen wurde daraus eine wirkende politische Kraft. Die sozialen und politischen Bewegungen der letzten Jahre haben der CDU eine Niederlage von hohen Graden bereitet. Sie könnten diesen Erfolg verspielen und um die Früchte ihrer Mühen gebracht werden, wenn sie jetzt in die Fernsehsessel abtauchen, um Wahlkrimis und Regierungsbildungskomödien zu goutieren.

In diesem Sinn wünschen wir Ihnen ruhige und erholsame Osterferien!

Die Herausgeber (04. März 2008)

Februar 2008 - Info der GEW-Fraktion im Gesamtpersonalrat

Schnecke
Themen:
  • G8 und die Folgen vor Ort
    Die Rolle des Staatlichen Schulamts im Hinblick auf Sitzenbleiberquoten an den Gießener Gymnasien
  • "Zentren Lebensbegleitenden Lernens (ZLL) - Hessencampus"
    quo vadis berufliche Bildung in Hessen?
  • Erfahrungen der Schulen für Erwachsene (SfE) bei Versuchen, Zentren Lebensbegleitenden Lernens bzw. Hessencampus zu entwickeln
  • Neues Berufsbild Schulleitung
  • Jahresgespräche weiterhin nur mit der Schulleiterin/dem Schulleiter
  • Der Gesamtpersonalrat ist umgezogen

14. 2. 2008 - FAZ.NET: "Der Bachelor-Kandidat neigt zum Abbruch".

Bei den neuen straff organisierten Bachelorstudiengängen an Hochschulen gibt es, anders als erhofft, nicht weniger sondern mehr Studienabbrecher.Das geht aus einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) hervor. An den Fachhochschulen liegt danach die Abbrecherquote in Bachelorstudiengängen bei 39 Prozent. Die Gesamtabbrecherzahl in allen Studiengängen beträgt dagegen nur 22 Prozent. An den Universitäten scheiterten 25 Prozent der Bachelorstudenten, von allen Studenten dagegen 20 Prozent

14. 12. 2007 Neues von der Privatisierungsfront

Gießener Allgemeine Zeitung vom 14.12.2007
Gießener Allgemeine Zeitung vom 14.12.2007

Was hat diese Meldung mit dem Bildungsbereich zu tun?


Was hier als Service-Orientierung bezeichnet wird, ist die Umschreibung der Tatsache, dass der Bertelsmannkonzern in zunehmendem Umfang nicht nur im Rahmen der "Neuen Verwaltungssteuerung" in den Bereich kommunaler Verwaltungen drängt, sondern in noch stärkerem Maße den Bildungsbereich infiltriert. Der Bereich der öffentlichen Bildungseinrichtungen ist einer der letzten, der noch nicht völlig dem Markt geöffnet wurde.
Der internationale Bildungsmarkt hat nach Schätzungen der UNESCO ein Volumen von 2,2 Billionen Dollar und hier sieht Bertelsmann die ausgezeichneten Wachstumschancen.
Für diese sogenannte Wertschöpfung wird zukünftig jeder Bürger (als Erziehungsberechtigter, Schüler, Student oder Auszubildnender) kräftig zur Kasse gebeten werden.

siehe hierzu auch:


8. 11. 2007 Fachtagung der GEW Fachgruppe Gymnasien in Kleinlinden

„Das Heranreifen einer Persönlichkeit lässt sich nicht beliebig beschleunigen“

FachtagungGEW-Fachtagung übt scharfe Kritik an G8 und Zentralabitur
Gießen (gew). „Das Heranreifen einer Persönlichkeit lässt sich nicht beliebig beschleunigen“, resümiert Eva-Maria Hartmann die ersten Ergebnisse mit dem achtjährigen Gymnasium in verschiedenen Bundesländern. Was bleibe, so Hartmann sei ein Mangel an unverplanter Zeit und damit kein Raum für Interessen. Auch die Lehrkräfte könnten kaum Gutes berichten. Die Schülerinnen und Schüler seien „verausgabter“. Vor allem die zweite Fremdsprache ab der sechsten Klasse erweise sich als hohe Belastung. Im Bereich der Naturwissenschaften seien die Schülerinnen und Schüler vor allem durch die Verlagerung des anspruchsvollen Stoffes in die unteren Klassen häufig überfordert. Insgesamt klagen Schüler, Eltern und Lehrkräfte über die Stofffülle und die wöchentliche Unterrichtszeit von bis zu 36 Stunden

Rainer Haase Gleichzeitig stellen Eltern und Lehrkräfte kritisch fest, dass mit G8 den Schülerinnen und Schülern quantitativ immer mehr abverlangt werde, ohne dass sich die Lernsituation verbessert. Im Schulalltag fehlen Zeit, Lehrkräfte sowie finanzielle und technische Ausstattung für einen anschaulichen und anspruchsvollen Unterricht. Es ist ein bildungspolitischer Anachronismus, wenn Kinder und Jugendliche an mindestens 2 Tagen mit 8 Std. Unterricht bis in den Nachmittag in der Schule sein müssen und den Gymnasien die Möglichkeit verwehrt wird mit entsprechender Stundenzuweisung ein aufgelockertes Ganztagsangebot zu organisieren. „Die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen dürfen nicht weiter eingeschränkt werden“, warnt Rainer Haase von der Fachgruppe Gymnasien der GEW Hessen.

Mit Unverständnis haben die Teilnehmer der Tagung die Erfolgsmeldungen des Kultusministeriums zum Zentralabitur zur Kenntnis genommen. Offensichtlich sei das Ministerium schon dann zufrieden, wenn die Aufgaben sicher an die Schulen kommen und es keinen Aufschrei der Empörung über die Aufgabenqualität gebe. Das gravierendste Problem werde dabei systematisch ignoriert. Schon jetzt sei unübersehbar, dass sich in den Oberstufen eine ‚teaching to the test’- Mentalität ausbreite. Die Vorbereitung auf die Abiturprüfung beginne den gesamten Unterricht zu dominieren. Die Bildungsziele der gymnasialen Oberstufe gingen aber weit über derartige Prüfungsvorbereitungen hinaus und drohten nun vernachlässigt zu werden. Selbst von höherer Gerechtigkeit könne auch nicht die Rede sein: Es sei auch schlicht eine Frage des Zufalls, wie konkret der Unterricht auf die zentral gestellten Aufgaben vorbereitet habe. Unvermeidlicherweise seien Texte der Aufgaben Schülern schon aus dem Unterricht bekannt gewesen.